Gehren??

Schön langsam könnt ich mal die Rubrik "Kleidung" in Angriff nehmen, gell?

Tu ich auch, keine Sorge! Da ich mich mit der Kleidung der Frau bisher am besten auskenne, werde ich wohl damit anfangen.

 

In diesem Zusammenhang stehe ich gleich vor einem recht grundsätzlichen Problem:

Hatten die Frauenkleider Gehren oder nicht??

Schemazeichnung Kleid mit Gehren
Schemazeichnung Kleid mit Gehren

Gehren, das sind keilförmige Stoffstücke, die in das Kleid eingesetzt werden, um den Saumumfang zu erweitern. Das Kleid erhält dadurch eine A-Form.

Diese A-Form könnte man aber auch dadurch erzeugen, dass man die Stoffstücke gleich von Anfang an A-förmig zuschneidet und nicht rechteckig. Dann kann man sich die Gehren sparen.

 

Nun mein Problem: Für die Karolingerzeit kenne ich keine Funde und auch sonst keine Quellen für Frauenkleider, die diese Gehren belegen würden.

Für andere Zeitstellungen gilt (meines Wissens nach - habe ich Quellen übersehen?): Früher tendenziell ohne Gehren, später tendenziell mit. Wie gesagt, tendenziell! Verallgemeinerungen sind immer schwierig.

 

Schemazeichnung Kleid A-förmig
Schemazeichnung Kleid A-förmig

Außerdem stelle ich fest: Vor der Karolingerzeit tendenziell knie- bis wandenlange Kleider (z.B.Kleid der Arnegunde, 6. Jhd.), währenddessen und nachher bodenlang (oder sogar überlang).

 

Nun lese ich aber bei verschiedenen Leuten (u.a. Sylvia Crumbach http://www.tempus-vivit.net/bibliothek/buch/karls-franken, Alwina http://wikingerkleidung.de/index.php/karolingisch-fraenkisch/kleid), ein Schnitt nach merowingischem Vorbild ohne Gehren wäre wahrscheinlicher.

Und ich such und such und find nix, was diese Aussage untermauern würde.

 

Meine eigenen Überlegungen dazu laufen nämlich genau in die andere Richtung: Wenn ich ein Kleid bodenlang trage, muss ich es deutlich stärker A-förmig ausstellen, als wenn es nur knielang ist (in diesem Fall könnte man das Kleid eventuell sogar nahezu gerade schneiden). Ansonsten sind nämlich nur alltagsuntaugliche Trippelschrittchen damit möglich.

Je stärker ich einen Stoff aber A-förmig zuschneide, desto mehr Verschnitt (=Stoffreste) habe ich. Diese Stoffreste haben eine saublöde Form und können nur schwer weiterverwendet werden. Schneide ich ihn aber rechteckig zu und setze Gehren ein (die ich ja auch aus rechteckigigen Stoffstücken herstellen kann, wenn ich diese diagonal teile),  kann ich den Stoff deutlich sparsamer und effizienter zuschneiden und den Rest viel sinnvoller weiterverwenden.

Wenn man bedenkt, wie aufwändig die Stoffherstellung damals war, kann ich mir kaum vorstellen, dass man das Zeug freiwillig verschwendet hätte. Daher tendiere ich eher dazu, gerade Schnitte und Gehren zu verwenden.

 

Irgendwie stehe ich da also vor einem Dilemma... Kann mir jemand weiterhelfen? Kommentare erwünscht!

 

Grüßle,

eure Pip

 

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"Ulfberht"- Schwert, GNM Nürnberg, ca. 825 AD [allgemeinfrei]
"Ulfberht"- Schwert, GNM Nürnberg, ca. 825 AD [allgemeinfrei]