Stirnbinde und Manteltuch

WLB, Cod.bibl.fol.23, fol.146v.
WLB, Cod.bibl.fol.23, fol.146v.

Ein Element, dass bei allen Frauen-Bildnissen im Stuttgarter Psalter wiederkehrt, ist das Manteltuch, Palla genannt. Es ist im wesentlichen nichts anderes als ein großes, rechteckiges Tuch, in das die Karolingerin ihren Oberkörper und zumeist auch ihren Kopf hüllte. In der Regel war die Palla lang genug, um mindestens bis zur Hüfte zu reichen, häufig auch noch darunter.

 

Auch wenn die Karolinger längst christianisiert waren, war das Bedecken des Haupthaars für die Frauen noch nicht so strikt gefordert wie in späteren Zeiten. Es finden sich vereinzelt auch Abbildungen, auf denen Frauen die Palla nur um die Schulter gelegt haben und die Haare mit Bändern hochgebunden sind. Auch von den Töchtern Karls des Großen ist uns ähnliches bekannt. Auf der überwiegenden Mehrheit der Bilder tragen die Frauen ihre Palla jedoch über dem Kopf und fibeln sie unter dem Kinn.

 

Zur Dicke und dem Material des Manteltuchs lassen sich nur vage Angaben machen. Das Tuch, in das das Mädchen aus dem Frankfurter Dom gehüllt war (und das ich als Palla interpretiere) war sehr fein und schleierartig. Eine so dünne Palla ist angenehm zu tragen, da sie sehr leicht ist und die Bewegungen des Kopfes nicht einschränkt. Je dicker das Tuch, desto schwerer und einschränkender ist es zwar, aber auch umso wärmer, was je nach Jahreszeit und Witterung durchaus gewünscht sein kann.

WLB, Cod.bibl.fol.23, fol.115v.
WLB, Cod.bibl.fol.23, fol.115v.

Damit die Palla nicht vom Kopf rutscht, kann sie mit Nadeln in den Haaren oder an der Vitta festgesteckt werden. Die Vitta ist eine schmale Stirnbinde aus Stoff oder gewebter Borte, die auch von Männern getragen werden konnte. Archäologisch lässt sie sich nur noch durch die eingewebten Goldfäden nachweisen, die ihre organische Grundlage überdauert haben. Vitten ohne Metallfäden, die sich auch Frauen leisten konnten, die nicht der allerobersten Oberschicht angehörten, sind leider nicht erhalten, doch lässt sich vermuten, dass es sie auch gegeben hat. Meiner Einschätzung nach waren die Vitten häufig broschierte brettchengewebte Borten.

 

Bei Darstellungen anderer Zeit- und Kulturräume sieht man oft, dass die Stirnbinde über einem Schleier- oder Manteltuch getragen wird. Dies lässt sich für die Fränkinnen der Karolingerzeit jedoch nicht nachweisen. Soweit wir wissen, wurde die Vitta alleine  oder unter der Palla getragen.

Literatur:

<Angaben folgen>

"Ulfberht"- Schwert, GNM Nürnberg, ca. 825 AD [allgemeinfrei]
"Ulfberht"- Schwert, GNM Nürnberg, ca. 825 AD [allgemeinfrei]