Textilien des Mannes

Von Karl dem Großen berichtet sein Biograph Einhard:

 

 

"Vestitu patrio, id est Francico, utebatur. Ad corpus camisam lineam, et feminalibus lineis induebatur,"

 

"Er kleidete sich nach der nationalen Tracht der Franken. Auf dem Körper trug er ein Leinenhemd, die Oberschenkel bedeckten leinene Hosen*,"

 

 

 

 

"deinde tunicam, quae limbo serico ambiebatur,"

 

"darüber trug er eine Tunika, die mit Seinde eingefasst war,"

 

 

"et tibialia"

 

"die Unterschenkel waren mit Schenkelbändern umhüllt."

(im Original eigentlich nur knapp: "und tibialia", was mit "und Wadenwickel/Strümpfe/Schenkelbänder" übersetzt werden kann)

 

 

"tum fasciolis crura"

 

"sodann (umschnürte er) seine Waden mit Bändern"

 

 

 

 

"et pedes calciamentis constringebat"


"und seine Füße mit Stiefeln. (jetzt im Original erst das "umschnürte er")"




Nun, das verschweigt Einhard, muss er natürlich noch einen Gürtel anlegen,



über den die Tunika gerafft wird und leicht überfällt, so dass der Gürtel größtenteils gar nicht mehr richtig zu sehen ist.

 

"et ex pellibus lutrinis vel murinis thorace confecto umeros ac pecte hieme muniebat,"


"und im Winter schützte er seine Schultern und Brust durch einen Wams aus Otter- oder Marderfell.** "

 

(Anm: hier macht uns das deutsche Artenschutzgesetz eine absolut korrekte Rekonstruktion unmöglich, da wir Otter/Marder durch Biber ersetzen mussten)

 

 

"sago veneto amicto"


"Darüber trug er einen blauen Umhang."

 (wörtl: "er hüllte sich in einen blauen Mantel")


Der etwas gequälte Blick rührt daher, dass wir die Aufnahmen im Hochsommer gemacht haben.

 

 

"et gladio semper accinctus"

 

"und gürtete sich stets mit einem Schwert"

 

An Bildquellen haben wir insbesondere viele wunderschöne Miniaturen des Stuttgarter Psalters...

(Zum Vergrößern einfach auf die Bilder klicken!)

 

 

... oder auf dem Bildnis des weltlichen Stifters von St. Benedikt in Mals (Vinschgau).

St. Benedikt in Mals
St. Benedikt in Mals

 

 

 

 

 

 

 

Da sich keine Männerkleidung aus der Karolingerzeit erhalten hat, gelten hier die gleichen Einschränkungen wie bei der Frauenkleidung:

  • Abgebildet werden in der Regel höhergestellte Personen. Wie die Kleidung des einfachen Volkes ausgesehen hat, können wir nur vermuten.
  • Eine Entwicklung der Kleidung können wir leider nicht zeichnen.

Anmerkungen

*Firchow, Anm. 79: Einhard nennt sie feminalia linea, die J. Hoops (RAC IV, S. 357) als eine Art von kurzen leinenen Kniehosen beschreibt. Es ist durchaus möglich, daß die feminalia Bänder oder Bandagen waren, die um die Schenkel gewunden wurden (das Wort bedeutete auch "Windel").

** Firchow, Anm. 82: Thorax (eigentlich "Brustkasten", später aber auch für Brustpanzer verwendet) bedeutet hier ein enganliegendes Wams, das ursprünglich direkt unter dem Panzer getragen wurde. – Pellis lutrina bedeutet Fischotterfell; pellis murina (von mus – Maus) dagegen kann entweder Hermelin-, Zobel- oder Marderpelz bedeuten. Nach Notker Balbulus (Gesta Caroli Magni II, 17) verwendete Karl beim Jagen Schafspelz, während seine Edlen teure Pelze trugen. Da Karl offensichtlich sparsam war, ist es sehr wahrscheinlich, daß er sein Wams aus billigeren Pelzen, wie z.B. Marderfellen, schneidern ließ.

Literatur

"Ulfberht"- Schwert, GNM Nürnberg, ca. 825 AD [allgemeinfrei]
"Ulfberht"- Schwert, GNM Nürnberg, ca. 825 AD [allgemeinfrei]