Bildquellen

Bildquellen zu Waffen und Rüstungen

Ein recht gutes Bild – im wahrsten Sinne des Wortes – der Ausrüstung könnten Bildquellen liefern. Dabei fallen zwei Werke besonders ins Auge: Der Stuttgarter Psalter und der goldene Psalter von Sankt Gallen. In beiden Werken sind Abbildungen von Kriegern zu sehen,


zu Fuß im Stuttgarter,




zu Pferde im Sankt Gallener.

Probleme der Bildquellen:


Die Karolinger, welche ja das (west)römische Reich beerbten, hatten ein Ego-Problem. Sie hatten keine kulturelle Vergangenheit auf einem Level zu bieten, das sie ernsthaft zu Erben der großen römischen Kultur hätte machen können. Also musste Kultur her, und zwar schnell. Man war ja jetzt schließlich wer in der Welt. Das große (und mehr oder weniger einzige) Vorbild war Byzanz, das oströmische Reich. Die Folge war, dass man sich kulturell bei allem hemmungslos bediente, was aus Byzanz kam, auch bei der Psaltermalerei. Einige karolingische Psalter kann man getrost als von byzantinischen Originalen abgemalt bezeichnen. Mit der Konsequenz, dass nicht immer klar ist, ob ein „karolingischer“ Psalter nun die fränkische oder doch eher die byzantinische Wirklichkeit abbildet. Bei den beiden oben genannten Psaltern geht die Geschichtsforschung davon aus, dass sie wohl tatsächlich karolingische Realitäten zeigen, aber einige andere, durchaus bekannte, Werke, wie etwa die Vivian-Bibel, zeigen offenbar ausgesprochen römische Figuren. [Abb. rechts]

Auch wurden die Bilder nicht von Waffenexperten gemalt. Eine wirklichkeitsgetreue Abbildung liegt nicht zuverlässig vor. Die Bilder sind teils stilisiert, oft ohne große Details. Die Schuppenpanzer etwa würden so, wie sie gezeichnet sind, eins zu eins umgesetzt schlicht nicht funktionieren. Über die Gründe kann man spekulieren.

Bildquellen zur Kleidung

Der Stuttgarter Psalter

Ein vollständiges Digitalisat des Stuttgarter Psalters kann man hier einsehen:

http://digital.wlb-stuttgart.de/digitale-sammlungen/seitenansicht/?no_cache=1&tx_dlf[id]=1517&tx_dlf[page]=1

Eine der umfangreichsten und schönsten Bildquellen (nicht nur) zur karolingischen Kleidung ist der Stuttgarter Psalter. Eine Vielzahl farbiger, detailreicher und im Vergleich zu anderen zeitgenössischen Werken auch handwerklich durchaus guter Abbildungen zeigen ein recht weites Bild der karolingischen Mode. In erster Linie sind natürlich, wie üblich, eher hochgestellte oder symbolische(!) Figuren abgebildet, aber einige zeigen auch einfaches Volk.

Der Stuttgarter Psalter ist eine Bilderhandschrift, die ungefähr zwischen 820 und 830 n. Chr. in der Nähe von Paris entstanden ist.  Das Besondere an ihm ist die Vielzahl farbiger Miniaturen, die beinahe jede Seite des Psalters schmücken. Ein gefundenes Fressen für Living-History-Darsteller!

 

Doch es ist auch Vorsicht geboten. Zum Einen wirken die Malereien gelinde gesagt... nun ja... etwas krude (Ich muss gestehen, auf mich wirken sie teilweise, als hätte sie ein zugegebenermaßen nicht untalentierter Mittelstufenschüler gemalt  - was allerdings der ohne Zweifel vorhandenen Schönheit und Kunstfertigkeit der Bilder nicht gerecht wird). Im Vergleich zu anderen zeitgenössischen Werken sind sie, relativ betrachtet, sehr gut, aber die absolute Qualität ist, in Relation zu späteren Werken, etwa aus dem ausgehenden Mittelalter, eher niedrig. Betrachtet man beispielsweise die übergroßen Augen und Hände der dargestellten Personen, so stellt sich die Frage, inwieweit andere Dinge ebenfalls verzerrt und nicht ganz wirklichkeitsgetreu dargestellt werden.

Zum Anderen sind byzantinische Einflüsse erkennbar, von denen nicht sicher ist, ob sie damals auch in der Realität vorhanden waren oder ob sich der Maler der Miniaturen nur an einer (möglicherweise deutlich älteren) Vorlage orientiert hat, die mit der vorherrschenden Mode im fränkischen Reich nichts am Hut hatte.

 

Fazit: Die Rekonstruktion karolingischer Mode, Waffen oder anderer Gegenstände allein auf den Stuttgarter Psalter zu gründen, ist ein mehr als wackeliges Unterfangen. Nützlich wird er jedoch dann, wenn sich das in ihm Gezeigte auch durch andere Quellen belegen lässt.

weitere Quellen demnächst

"Ulfberht"- Schwert, GNM Nürnberg, ca. 825 AD [allgemeinfrei]
"Ulfberht"- Schwert, GNM Nürnberg, ca. 825 AD [allgemeinfrei]