Textquellen

Einhard: Vita Karoli Magni

Einhard: Vita Karoli Magni. Das Leben Karls des Großen. Lateinisch/ Deutsch. Übersetzung, Anmerkungen und Nachwort von Evelyn Scherabon Firchow, Reclam, Stuttgart, 2010, ISBN 978-3-15-001996-2.

 

Einhard (ca. 770-840), Lehrer, Vertrauter und enger Freund Karls des Großen, gehörte zu den angesehensten Mitgliedern des Hofkreises und schrieb Karls Biographie: "so kurz wie möglich über das private und öffentliche Leben und vor allem auch über die Taten meines Herrn und Gönners, des trefflichen und hochberühmten Königs Karl". Als Entstehungszeit nimmt man die Jahre 830 (oder 833) bis 836 an. Es handelt sich um die einzige Biographie des Kaisers, die von einem Zeitgenossen, der Karl persönlich kannte, geschrieben wurde. Das macht sie für uns sehr interessant. Dazu kommt, dass Einhard beispielsweise Karls Kleidung und Essgewohnheiten recht detailreich beschreibt.

 

Jedoch weist die Karlsvita zahlreiche Fehler auf: Falsche Jahresangaben, Verwechslungen bei Namen von Ehefrauen Karls, seinen Kindern oder von Päpsten und anderes mehr. Man muss Einhard zugute halten, dass er zum Zeitpunkt der Abfassung bereits über sechzig Jahre alt war (Karl war beinahe zwanzig Jahre zuvor gestorben) und sich im Kloster Seligenstadt zur Ruhe gesetzt hatte. Auch ist es vermutlich seiner Nähe zum Kaiser zuzuschreiben, dass er für Karl unangenehme Ereignisse allgemein zu beschönigen versucht.

Desweiteren ist das Werk zur Erstellung einer Living-History-Darstellung nur bedingt nützlich, denn was hilft es uns schon, wenn wir wissen, dass Karls "Wams" (lateinisch: thorax) aus Otter- oder Marderfell gefertigt war? Nachnähen kann man das Stück aus diesen spärlichen Informationen nicht, wissen wir ja noch nicht einmal, was Einhard überhaupt unter einem Thorax verstanden hat.

 

Fazit: Die Vita Karoli Magni allein nützt uns also nur bedingt etwas, wenn wir Informationen zu Kleidung oder Waffen der Karolinger suchen. Jedoch kann sie sicher zum Vergleich mit anderen Quellen herangezogen werden.

Textquellen zu Waffen und Rüstungen

Die karolingischen Schriftquellen, in denen Waffen und Rüstungen beschrieben werden, kann man an einer Hand abzählen.

Für die Reiterei stehen uns das Capitulare Missorum von 792/793 und ein Brief von Karl dem Großen an Abt Fulrad von Saint Denis, in dem Karl beschreibt, mit welcher Ausrüstung die Truppen des Abts zur Reichsversammlung zu erscheinen haben, zur Verfügung. Beide Quellen stimmen überein, dass ein Reiterkrieger Pferd (wer hätt's gedacht), Rüstung, Lanze, Schild, Schwert und Sax haben solle. Im Fulrad-Brief werden zusätzlich noch Pfeil und Bogen verlangt. Gleichwohl werden beidemale die Idealvorstellungen insbesondere der Ausrüstung von Amts- und Würdenträgern bzw. deren Gefolgsleuten beschrieben. Es ist davon auszugehen, dass nicht jeder Reiter derart gut gerüstet war.

Die Infanterie wird im Capitulare Aquisgranense (Aachener Kapitular) beschrieben. Die Krieger der Würdenträger sollten mit Lanze, Schild sowie Pfeil und Bogen bewaffnet sein. Interessant ist dabei die Detailforderung nach 12 Pfeilen (man frage mich nicht, warum so wenig) und einer Ersatzsehne.
Eine Rüstung irgendeiner Art wird nicht erwähnt.

Dann gibt es noch das Capitulare missorum, in dem insbesondere hervorgehoben wird, was jeder Krieger besitzen musste, abhängig von seinem Wohlstand.

Die Gesta Caroli Magni von Notker Balbulus soll an dieser Stelle nur kurz erwähnt werden. Sie ist eine Anekdotensammlung, die von Karls Enkel in Auftrag gegeben worden war und die bereits an der Legendenbildung um den großen Karl strickte. Ihre einzige Erwähnung fränkischer Bewaffnung bezieht sich auf die Belagerung der langobardischen Stadt Pavia durch Karl und erzählt, wie der langobardische König beim Anblick des feindlichen Heeres immer mutloser wird, welches die Ebene vor der Stadt wie ein Meer aus Eisen flutet. Nach dieser höchst unglaubwürdigen Darstellung wäre das gesamte karolingische Heer von Kopf bis Fuß in eisernen Rüstungen, Helmen, Arm- und Beinschienen gekleidet. Das kann getrost ins Reich der Legende verwiesen werden.

Probleme der Schriftquellen:
Zuallererst muss man das grundlegende Problem berücksichtigen, dass die Schriften nicht dazu gedacht waren, späteren Generationen zu helfen, die karolingische Ausrüstung im Detail zu rekonstruieren. Sie richteten sich an Empfänger, die wussten, wie die Ausrüstung beschaffen ist, und nicht an uns. Deshalb wird nur sehr rudimentär aufgelistet, was der Krieger dabeihaben sollte, nicht aber, wie diese Bewaffnung genau aussah.
Darüber hinaus stammen die Kapitularien allesamt aus der Zeit Karls des Großen und diese deckt nur einen kleinen Teil der Karolingerzeit ab, wenngleich natürlich den populärsten. Im weiteren Verlauf dieser Epoche veränderte sich die Ausrüstung jedoch.

weitere Quellen demnächst

"Ulfberht"- Schwert, GNM Nürnberg, ca. 825 AD [allgemeinfrei]
"Ulfberht"- Schwert, GNM Nürnberg, ca. 825 AD [allgemeinfrei]